Wann ist das Ende von etwas erreicht?
Es ist vielleicht der Moment, in dem ich feststellen musste, schon wieder festgehalten zu haben. Der Moment, in dem mir auffiel:
Du bist mehr wert.
Oder doch dieser, in dem ich einem arroganten Arsch eine Bühne bot?
Ich habe einen Hang zum Drama. Noch besser: ich bin Drama. Um mich herum, in meinen Kreisen. Nebenan und eigentlich überall verfolgte es mich. Nicht ganz so nervig und beschissen wie die Reden der AfD, aber auch nicht ganz so toll, wie Heidi Reichinnek persönlich zu treffen. Eben etwas dazwischen. Genug Drama für die Stadt, um all die Menschen um mich rum zu erfreuen und zu beschäftigen.
„Erzähl uns den Tea!“
Heiß und frisch, wie ich.
Und doch: Zu viel für sein Bett.
Und erst da wurde mir erneut bewusst: ich würde wohl nie DIE Frau sein. Ich war immer diejenige, welche begehrt war. Alles haben konnte und nach noch mehr strebte. Und vor allem nach dem, was ich nicht haben konnte. Ein bisschen wie ein Zwang. Der, etwas so sehr zu wollen, obwohl man weiß, wie abwegig es ist. Unerreichbar und wie sehr man daran zerbrechen würde. Eine Hand abgetrennt hier und eine Nase dort. Ein paar Stücke meines Körpers bleiben wohl für immer in deinem Bett liegen. Vielleicht sollte ich sie mal abholen – doch wer war ich? Nicht Friedrich Merz, der Donald Trump in den Po kriecht. Jemand, mit viel zu viel Stolz.
Wie konnte man also mir so viele Teile rausreißen und ich war immer noch … ganz?
Immer mehr Körperteile entfernt und mit jedem Streit, mit jedem Stress, versuchte ich erneut zu identifizieren, wer ich jetzt war. Ein bisschen selbstverliebt und egozentrisch mit Sicherheit. Und doch unsicher, wie ich hier gelandet bin.
Wie mein Leben sich so entwickeln konnte, war wohl eine der Fragen, die ich mir am häufigsten stellte. Stadtgespräch, bekannt am Hasselbachplatz. Die Barkeeper umarmend und niemals ganz unsichtbar. Wenn ich euch sage, dass ich mit jedem Tag mehr werde, würdet ihr zittern vor Angst. Denn Napoleon war auch mal klein und unbekannt. Zuerst übernahm ich den Hasselbachplatz, später eure Herzen. Wenn ich dann im Exil landen würde, hätte ich mit Sicherheit den Spaß meines Lebens gehabt – und: meinen Satisfyer dabei.
Wann hatte ich diese Sucht entwickelt, immer größer und erwachsener werden zu müssen?
Neben Nikotin und Alkohol war das wohl der Aspekt, den ich nie verstand, wie er mich anziehen konnte. Denn etwas anziehend zu finden, was mich nicht auszieht, war sehr seltsam und passte wenig in mein Weltbild. Und doch schämte ich mich selbst, wenn ich wieder mal feststellte: das war ein bisschen kindisch.
Fast wie: Der Traum von einem Schiff. Der Freiheit, alleine zu sein und das zu tun, wonach mir ist. Ohne Konsequenzen. Wie die Gewalt der Polizei: Ganz ohne Ahndung. Ich konnte mich nicht binden und wünschte mir trotzdem genau das. Denn dieser Traum verschmolz irgendwann mit dem Wunsch nach Intimität. Ein bisschen Liebe und jemanden, der wirklich passen könnte. Jemand, der nicht nur meinen G-Punkt findet, sondern auch noch weiß, wie er zu mir sein musste. Nackte Schiffe eben. Und ich darauf.
Eines Tages traf ich jemanden, bei dem ich dachte, dass genau dies der Fall war. Als hätte ich im Katalog genau das Schiff gefunden, dessen Fassade abgerissen und ganz blank vor mir war. Jedoch vergaß ich dabei, dass nackte Schiffe wohl zu Rost und Schimmel neigten. Bei jeder Berührung und jedem Versuch, ihn näher an mir zu haben, stellte ich schmerzhaft fest:
Deine Nähe ekelt mich mehr, als Friedrich Merz Eier und zerreißt mich mehr, als die Prognosen der Wahlen für Sachsen-Anhalt.
Der Unterschied bestand nur darin, dass ich dich festhalten wollte. Dass ich hoffte, dass aus Bargesprächen und Neckereien etwas werden könnte.
Wie konnte jemand so Gutes mir so schlecht tun?
Und vor allem: war ich diejenige, die es nur als schlecht ansah?
Denn in jedem Moment, in dem ich forderte, was ich wollte, bekam ich es. Ich hatte gelernt, wie ich sein musste. Immer mal wieder anders, mit Sicherheit, und doch stand ich zu meinem Verdutzen hier und stellte fest, dass nicht jeder tat, was ich eben sagte. Versteht mich nicht falsch: Von Nazis hatte ich nicht mehr erwartet. Doch von einem Menschen mit klarem Verstand und dieser Anziehungskraft vielleicht schon.
Träumte ich zu viel oder war das hier einfach die falsche Realität?
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