Ich hätte nicht gedacht, dass ein Mittwoch nach dem anderen immer wieder dazu führen würde, dass ich mein Leben überdenke.
Diese Tage wurden allesamt schlimmer und weniger zu ertragen, als viel zu lang anhaltender Sex. Ein Höhepunkt nach dem anderen und am Ende des Abends ist mein Slip trockener und meine Leber geschädigter als je zuvor. Und immer wieder sage ich:

Ich trink nie wieder!

So endete jeder Mittwoch und das Wochenende schien im Gegensatz harmlos zu sein: Telefonsex – bei dem ich auch nur vortäusche, ich würde mich wirklich selbst anfassen.  Und doch kommen wir irgendwann alle und machen diese Nächte unvergessen und feucht. Naja – zumindest der größte Teil von uns. Der Rest war nicht dabei, unwichtig oder einfach zu voll. Wie sehr ich euch beneide – denn bei einigen Dingen, die ich so tue, wünschte ich mir gleiches. Am nächsten Morgen aufzustehen und gerade so noch zu wissen, wer ich eigentlich bin. Und mich zu fragen:

Wie bin ich hier schon wieder gelandet?

Um 8 Uhr morgens in einer fremden Wohnung mit Menschen, die ich soeben erst getroffen habe. Vielleicht weiß ich gerade so ihren Namen – vielleicht würde ich sie auch nur beim Küssen wieder erkennen. Mit mir zu lange unterwegs zu sein, muss sich anfühlen, wie eine Protestaktion: intensiv, ein bisschen verbotenes Zeug dazu und heiß – nur ohne Pyrotechnik.

Und doch sollte man mehr von mir erwarten können. Immerhin studiere ich und leite ein Unternehmen. Eigentlich sollte ich hier bestenfalls seriöse Hinweise geben, Wissen vermitteln oder euch einfach belehren. Nur weiß ich selbst besser als ihr, dass das zum Scheitern verurteilt wäre.
Denn wer würde schon eine Frau ernst nehmen können?

Wer könnte mich schon ernst nehmen, wenn ich es selbst nicht mal kann?

Stellt euch nur vor, ich würde anstelle von „Satellite“ oder „Bikini Grell“ auf der Bühne beim Karaoke plötzlich gebildete und aktuelle Sachen wie: Fick die AfD rufen. Oder Merz leck Eier. Mit Sicherheit ein schönes Bild und doch…

machte ich mir mehr Gedanken darüber, wer ich eigentlich sein wollte oder was genau von mir erwartet wird, sodass ich ganz nebenbei den Blick für die wichtigen Sachen verlor. Denn meine Lieben, wir standen relativ kurz vor den nächsten Landtagswahlen und ich stehe hier immer noch vor meinem Kleiderschrank und überlegte, welcher BH wohl am besten unter meinem durchsichtigen T-Shirt aussehen würde.

Der rote oder der schwarze?

Fast unterbewusst legte ich mir nie einen blauen oder braunen zu – wer möchte schon so einen Dreck in seinem Schlafzimmer?
Hatte ich angefangen, mein Outfit über die aktuelle politische Lage zu stellen? Oder hat sich selbst meine Unterwäscheschublade bereits als Teilgebiet der Politik entpuppt?

Und so gab ich mich der Frage hin, was ich zuerst finden sollte: mich selbst oder die Welt?

Konnte ich mich verstehen, ohne die Welt zu kennen? Und selbst wenn ich sie kenne, würde sie mich verstehen, wenn nicht einmal ich selbst das kann?

Was mir schnell klar wurde, war, dass ich mich zu einem Menschen entwickelte, der viel Aufmerksamkeit brauchte. Was meint ihr, wozu ich das hier sonst schreiben würde? Doch immerhin ist das hier noch kein Bilderbuch – ganz anders als der sonstige, reale Teil, der meine Gedanken ausmachte. Man sah mir an, was ich dachte. Mein Gesicht sprach Bände. Ich hatte aus Versehen gelernt, Menschen mit meinen Augen zu sagen:

Bitte vögel mich.

War das eine Superkraft? Sollte ich stolz darauf sein? Oder entwickelte ich mich doch langsam zurück und gab meiner Sprache immer weniger Aufmerksamkeit, ganz einfach, weil mein Aussehen ausreichte?

Ein einziger Abend im Flowerpower genügt, um mein Selbstbewusstsein mit Phrasen wie: Model, Göttin, Zeig Titten und:

„Darf ich dir was zu trinken ausgeben?“

Zu pushen. Immer mehr von mir zu halten, war so leicht geworden. Und das alles parallel zu der Gewissheit, dass ich nicht einmal weiß, von wem ich denn hier so viel halte. Ein Ausflug ins Theater wäre die nächste Idee, um mein Weltbild zu erschüttern – ob dieses Theater dabei das in Buckau oder das im Deutschen Bundestag ist, ist dabei relativ. Doch geht es immer wieder nur ums Gleiche: wer am besten spielt, kommt am größten raus.

Und wenn das so einfach gewesen war, sollte ich all meine Bedenken sein lassen, denn ob Klavier, Tischkicker, Billard oder im Schritt eines Mannes:

Mein Spiel war das beste von allen.

Und wenn euch das Schmierentheater nicht genügen sollte, dann solltet ihr mit folgendem klarkommen:

Nichts ist so eindeutig wie mein Blick – nichts klarer zu erkennen, als die Nippel durch mein T-Shirt und eins ist gewiss:

Die Wahrheit bekommt ihr nur bei mir – solange sie sich gut verkauft.


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