Worüber schrieb man noch, wenn die Welt eigentlich so alles gesehen hatte? Nachdem ihr mich erblickt, kennengelernt und verstanden habt, dass es ohne mich nicht weiter geht.

Wie weit konnten wir denken, uns zurücklehnen und die Menschen einfach ihrem Schicksal überlassen?

Ich sah mich selbst in der Position, euch zu erklären, wieso alles so langsam an Bedeutung verlor. Denn in einer Großstadt war man entweder dazu verdammt, auf ewig präsent, amüsant und auffallend zu sein, oder man gerät in Vergessenheit. Zum ersten fragte der Hasselbachplatz, wo ich denn geblieben bin, wieso ich nicht dabei bin. Irgendwann werden sie aufhören zu fragen. Sie werden mehr und mehr akzeptieren und verstehen, ihnen wird es vor allem zu lästig, sich ständig mit der gleichen, abwesenden Person zu beschäftigen.

  • Je schneller man aufsteigt, desto schneller fällt man.

Ist jetzt der richtige Moment für einen neuen Skandal?

Ich sollte mal jemand anderes vögeln. Aus einer anderen Bar. Denjenigen aus den vergangenen Nächten aufzugeben und zu riskieren, dass es absolut beschissen und ohne Wert enden könnte. Vielleicht hatte ich bereits zu viel gegeben und die Menschen rund um mich herum konnten nicht mehr schockiert werden. Ihr wusstet bereits, worauf ihr euch eingelassen hattet.

Jetzt musste wohl die Zeit gekommen sein, einmal nackt durch die Straßen zu laufen mit etwas zu viel Wodka intus und für Aufsehen zu sorgen. Wie sonst hätte ich meinen sehr guten Ruf wahren können? War das Vergessenwerden etwas an sich schlechtes oder nur die Chance, etwas ganz anderes zu sein?

Denn ich neigte mich langsam dem Gedanken zu, dass das nicht das war, wofür ich lebte und wonach ich strebte. Ich hatte irgendwo in den letzten Wochen verstanden, dass die Präsenz und die Liebe, die ich in den weiten Straßen der betrunkenen Menschen bekam, nicht das war, was mich auf ewig erfüllen würde.

War ich alt oder vernünftig geworden?

Denn während „Tequila und Mexikaner“ für mich wie „Folter und Knebelei“ der Art klangen, die mich nicht zum Orgasmus bringen würden, klang dafür in meinem Ohr etwas ganz anderes wie ein Höhepunkt:

Ein Haus, wie das nach Friedrich Hundertwasser und ein Labradoodle mit nur einem Ohr.

Etwas schräg und unperfekt. In einer Stadt, in der man meinen Namen schrie. Mein präzise gewähltes Outfit und Aussehen beurteilte. Genau dort verspürte ich so langsam den Drang, etwas zu haben, was genau das Gegenteil erzeugt. Einfach weniger das, was man mit Ruhm und Ansehen verbinden würde.

Doch sah ich mich selbst etwas verglichen, wie die Schlagzeilen von Axel Springer:

Mit Sicherheit ist mal etwas Gutes dabei. Wirklich interessante News und bahnbrechende Nachrichten. Ich konnte also Aufsehen erregen und die Menschen sprachen wochenlang über mich.

Und dann gab es die Schlagzeilen, die nichts anderes waren, als pure Show. Nichts relevantes mehr dahinter und wer trotzdem versuchte, Relevanz zu erlangen, gab sich bald der Blöße hin, nichts mehr zu sein als:

„Angst, Hass, Titten und der Wetterbericht.“

die Ärzte

Keine Inhalte, alles nur gespielt. Würde also meine Aufrechterhaltung meines Königreiches bedeuten, mich selbst und meine Authentizität verlieren zu müssen?  Wenn ihr also fordert, ich solle weiter anwesend und halbnackt sein, immer dann, wann ihr es haben wollt, so könntet ihr damit rechnen, dass ihr unbefriedigt enden könntet.

Sonst wäre es wohl nur ein Spiel, ähnlich des orangenen Typen aus den USA, der so tun würde, als wäre er ein echter Demokrat und dazu menschlich. Ich werde mich weiter ausziehen, sobald Donald Trump ein Herz für Menschen hat. Dabei wiege ich mich in Sicherheit und lehne mich zurück.  

Nichts daran könnte weniger echt sein. Doch an mir ist doch nichts gemacht.

  • Mein Körper ist echt.
  • Ich bin echt.
  • Meine Stimme, meine Brüste, meine Haut und meine Füße.

Eben alles, was euch erfreut, einen Kick versetzt oder einfach kommen lässt. Das war es, woran mein Umfeld sich gewöhnen musste:

Ich war nicht erwachsen geworden und vor allem nicht weniger versaut. Ich wollte eben diese Parties und Fetische nur noch dann, wenn ich Befriedigung brauchte. Ganz unabhängig von eurem Gieren und Verlangen, befriedigt zu werden.

Verdammt – ich bin mehr ich und das alles während die Stadt versuchte, mich perfekt zu haben. Was ich in jedem Fall auch war und gerne bot – ich werde immer Teil eurer Fantasien sein und euch begnügen. Vielleicht mit meinem Doppelleben, vielleicht durch einen neuen Modestil mit „oben komplett nackt“. Doch so roh und kahl das auch klingen mag: das Leben geht weiter – nur manchmal langsamer. Manchmal mit mehr Gefühl, wie im Bett, so auch im Herzen – und euren Unterhosen.


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