Schon wieder feucht

Es soll Dinge geben, die noch unverschämter scheinen als ein Nazi, der zu allem Überfluss der Peinlichkeit auch noch öffentlich zu seiner Dummheit steht: 

Die einseitige Liebe von euch zu mir.  


Ich muss ja sagen, dass ich fast ein schlechtes Gewissen habe, mich so lange nicht bei euch gemeldet zu haben. Und, nun ja, Ausreden fallen mir viele ein und am coolsten wäre es wahrscheinlich gewesen, mich zu irgendeiner linken Tat oder einem Aufstand zu bekennen. Hätte ich einen Trend gesetzt und könnte einen Protest wie auf TikTok tragen wie ein Indentitätsaccessoire, so wie meine Handtasche. Drinnen, an meinem Schreibtisch und natürlich total mutig.  

Aber nein, bleiben wir bei der knallharten Realität.

Der scheiß Kapitalismus existiert noch immer, Miete hin, Karl Marx her. Und ich bin aus unerklärlicherweise eine verdammte Streberin.
Ein All-Rounder prinzipiell. Doch sobald sich Dinge plötzlich in mein Leben einschleichen, mit denen ich vorher nie gerechnet oder gar zu tun hatte, neige ich immer wieder zu Ignoranz meiner alten Suppe. Alte Themen verblassen und neue, relevanter scheinende Sachen schleichen sich ein – Aufmerksamkeit ist schließlich auch nur eine begrenzte Ressource.

Wenn am ersten Tag der Krieg in Gaza noch hoch aktuell war, ist es am nächsten der orange Typ mit einem starken Egoproblem und Machtkomplex.

Kleine Dinge verlieren mehr und mehr an Wert und auch ich muss sagen, dass ich immer mehr dazu neige, stärker zu selektieren. Was passt in meinen Kopf und womit setze ich mich heute auseinander?

Brauche ich einen Mann oder reicht mir mein Satisfyer?

…Welcher vor einigen Wochen leer ging und nun ungeladen in meinem Schrank verharrt. Nicht einem einsortiert in die Kiste, wo er eigentlich bei seinen Freunden liegen sollte – grade noch brandaktuell und im nächsten Moment vergessen.  

Und so saß ich nun die letzten Wochen in meiner Zwei-Zimmer Wohnung und tat jeden Mist, der sich soeben in meinen Kopf gepflanzt hatte. Keine neuen Sexerfahrungen, keine Eskapaden und fast komme ich mir vor, als wäre ich zu einem Spießer mutiert (was sich in meinem Kopf ähnlich gefährlich und potenziell tödlich anhört, wie ein Nazi zu werden). 

Ein Schimpfwort fast schon und immer wieder hart umstritten. Nazi sei nichts Schlechtes und ich kann nicht mehr: ich kann nicht hören, wie der Begriff in seine Einzelteile zerlegt wird, um die Rechtfertigung hinter dem Handeln eines Nazis zu finden. Oder um einen anderen Begriff zu gebrauchen.

Doch bin ich kooperativ und habe hier einige Vorschläge als Ersatz:

  • Dummer Hund
  • schlecht-bestückt-und-nichts-im-Kopf
  • Einzeller
  • Blamage…  

Doch ist es viel eindeutiger und klarer: Nazi, ein Oberbegriff für alle bisherig aufgeführten.  
Doch nicht das ihr noch denkt, ich würde mich noch weiter mit Dingen weit unter meinem Niveau beschäftigen, nein, dass überlasse ich der CDU und der AfD, direkt an der Quelle.  

“Du bist langweilig geworden!” 

Nicht jeden Tag draußen und vielleicht vergisst auch so langsam der Hasselbachplatz wie ich eigentlich aussehe. Vielleicht vergessen die Menschen so langsam, was sie an mir haben. Also wohl doch der Fluch der Vergänglichkeit oder… heißt es doch, erwachsen zu werden? Gruslige Vorstellung sag ich euch. Denn wenn das bedeutet, dass ich so langsam in die Jahre komme, hoffe ich weiterhin auf straffe Brüste und multiple Orgasmen. Bloß nicht so einen Scheiß wie Probleme mit Orgasmen oder gar ausbleibende Libido.  

Doch war es so schlimm?  

Keine Aufregung und genug Wissen über ein Thema zu haben?

Denn so langsam sehe ich mich an einem unumgehbaren Punkt angekommen, an dem ich weiß: ich weiß alles über Sex. Ein Grauen wird wahr und die Theorie, dass mehr Wissen u weniger wissen führt, scheint damit widerlegt. Was kommt nun? Denke ich mir ganz schnell was Neues aus? Probiere ich die wildesten Dildos die Eis.de zu bieten hat?  

Oder gebe ich mich zufrieden mit meinem unfassbaren Wissen und Können? Stagnation… und doch befriedigt. Dinge, die ich nie schätzte, zusammen und die in meinem kleinen Horizont nie existierten und doch: hier bin ich – perfekt und vollendet. 

Aber, meine lieben Leser:innen, seid unbesorgt:  


Ich bin zurück und ich werde euch weiterhin amüsieren, verärgern.  
Doch zuerst: Sexspielzeug laden und Na(zis)chrichten verfolgen! 


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