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Manchmal, so denke ich, wäre wohl alles einfach zu verschlafen, das Schönste gewesen, was mir hätte unter Umständen passieren können. Doch da sich dieser Wunsch zumeist in Gefälligkeit auflöste, hatte ich eben, genauso wie ihr armen Seelen auch, keine andere Wahl, als all das einfach durchzustehen. Trotzdem bin ich stets bemüht, euch diese dunkle Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Aber auch ich komme wohl allmählich an meine persönlichen Grenzen.  

Dieses Wochenende war ein kleines Highlight in meinem Leben und fast so, als würde ich es in den Lebenslauf schreiben wollen:

fett und neongelb markiert.

Denn zu meinem Erstaunen, tat ich einfach mal nichts. Wer mich am Hasselbachplatz vermisste und im Club nach mir suchte, wurde enttäuscht. Und zuhause, in meinem sicheren Zentrum, kann nichts Schlimmes passieren. Außer wohl, dass die Milch alle geht. Und ein Leben ohne meinen Weichspüler-Kaffee mit viel Milch versetzt, war einfach nicht lebenswert. So ging ich einkaufen, kein großes Ding. An meinen Nachbarhäusern vorbei und da starrte er mich an:

Ulrich Siegmund.

Zumindest sein Seitenprofil, was an dieser Stelle schon genug des Übels war. Riesig plakatiert im Park neben meinem persönlichen Lieblingsladen.  

Magdeburg schien wohl schon des längeren einem großen Problem ausgesetzt zu sein: wenig politisches Verständnis, Hass und schließlich das, was all das inzwischen messbar macht: 41 Prozent für die AfD. Lächerlich eigentlich und doch saßen wir hier und taten so, als hätten wir das noch nie so erlebt und hätten niemals die Chance dazu gehabt, aus unseren Fehlern zu lernen:

kein weißes Bettlaken während der Periode, keine Stimmen für Faschisten.

Sollte logisch sein, spätestens mit dem Erreichen der Volljährigkeit und doch erwartete ich zu viel. Das war fast zur Gewohnheit geworden. Immerhin verfasste ich einen ausgiebigen Fragebogen für jeden Mann vor dem Sex, um sicherzustellen, dass es vielleicht zum Orgasmus kommen könnte. Dies konnte man wohl Selektion oder eine Art des Auswahlverfahrens nennen. Vielleicht Diskriminierung, wenn wir es auf die Spitze treiben wollten. Aber wenn ihr euch alle eine Glatze rasiert und einen Bart wachsen lasst, kann ich leichter über andere Fehler hinwegsehen. Immerhin bin ich auch nur eine Frau und habe meine Bedürfnisse.  

Doch gehen wir mal über zu einem viel interessanterem Thema:

Siegmunds Präferenzen und Beuteschema: konservativ, nicht feministisch und deutsch. Ich schätze mich an der Stelle glücklich, absolut nicht in sein Beuteschema zu fallen. Dennoch neige ich auch manchmal zu falschen Einschätzungen, drum werfen wir einen schnellen Blick auf sein Vorhaben im Bundesland Sachsen-Anhalt:  (Quelle: mdr aktuell)

  • Gesonderte Klassen für Migrant:innen in den Schulen 
  • Zentralisierungen im Verwaltungsorgan  
  • Deutsche Flaggen statt Regenbogen 

Nun, Herr Siegmund, bei allem Respekt, aber ich frage mich, was zuerst dagewesen ist: das Wahlprogramm oder die Menschenverachtung?  

Und doch: wir leben hier und damit. Ähnlich wie mit Geschlechtskrankheiten, so ein ganz mieser Tripper und das auch noch ganz öffentlich. Keine Scham, als hätte er nur eben sein Frühstück vom gestrigen Morgen aufgelistet: Dummheit, verfeinert mit Hass. 

Das ist wohl keine neue Erkenntnis. Denn während Feministinnen alle:

“hässlich und grässlich”

sind, hat die AfD meiner Studie zufolge die kleinsten Penisse. Ich würde diese auch gern für euch auf weitere Testobjekte ausweiten, doch ich bitte inständig darum, mich davon zu verschonen. Doch kann ich mit Sicherheit behaupten: große Worte, kleine Taten bringen diese Männer im Wahlprogramm und im Bett.  

Während Siegmund nach nicht mal einer Woche sein Gesicht verlor – im Leben und auf dem Plakat ebenfalls, sitze ich hier und überlege: wenn ich selbst in meinem Heimatort nicht sicher war, wenn selbst hier die Stimmen immer lauter wurden und ich dazu neige, irre zu klingen, blieb mir nur ein Ausweg: 

Prostituierte in Hamburg.  

Naja, oder zumindest die Chance dazu zu bekommen, lobte ich mir etwas. Denn auf irgendwas musste jeder stolz sein und ich für meinen Teil, fand eben mich sehr geil. Und jede Bestätigung dahingehend, musste positiv sein.  

Jede Stadt hatte wohl so ihre Probleme und ich war grundsätzlich mittendrin, sobald ich das Haus verließ. Letzte Woche in der Hafenstadt, dieses Wochenende für Ulrich Siegmund

Ich wusste es schon lange, doch nie war es klarer: ich musste der Mittelpunkt der Erde sein – oder fürs Erste: eurer Erektion.
Denn wenn die Welt schon verrückt spielte, entscheide ich wenigstens, wovon ihr heute Nacht träumt.


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